Geld, Jugend und der liebe Gott

P. R. am 28.04.2023

On tour Boehmzwiesel

Zwei Drittel aller Vereine aus den DJK-Kreisen Freyung und Hauzenberg haben an der „On Tour 2023“ teilgenommen, einem freiwilligen Vereinsdialog des DJK-Diözesanverbands. Die hohe Beteiligung lag in erster Linie an der Relevanz der Themenauswahl: Auf der Agenda standen die Themen „Bezahlung im Sportverein“, „Jugendarbeit im Wandel“ und die „Stärkung der Kirchlichkeit der DJK“. Referent war bei beiden Veranstaltungen in den Vereinsheimen der DJK Böhmzwiesel und dem DJK-TC Büchlberg DJK-Geschäftsführer Philipp Roos.

Im Bereich Bezah­lung im Sport­ver­ein“ führ­te der Refe­rent ganz grund­sätz­lich ins The­ma ein. Er sei kein Rechts­an­walt oder Steu­er­be­ra­ter, sei­ne Aus­füh­run­gen sei­en dem­entspre­chend nicht rechts­ver­bind­lich. Die Bezahl­kul­tur“ sei über­dies Sache der Ver­ei­ne, die auto­nom sind. Roos appel­lier­te ledig­lich, wenn Bezah­lun­gen im Ver­ein statt­fin­den: Rechts­kon­form han­deln, fair blei­ben, ange­mes­sen zah­len und die gute Zukunft des Ver­eins im Blick haben.“ Roos führ­te aus, mit Blick auf die Her­kunft der Sport­ver­ei­ne, dass im Gegen­satz zu erwerbs­wirt­schaft­li­chen Sport­an­bie­tern zu den zen­tra­len Beson­der­hei­ten der Ver­ei­ne gehö­re, dass Men­schen für ihren Dienst im Ver­ein nicht bezahlt wer­den, weil es um eine gemein­sa­me Sache geht. Den­noch neh­men vie­le Ver­ei­ne heut­zu­ta­ge Geld in die Hand, um den Sport­be­trieb zu finan­zie­ren – weil sie es sich leis­ten kön­nen“. Roos zitier­te die 8. Wel­le des Sport­ent­wick­lungs­be­richts für Deutsch­land von 2022: In 2019 hat­ten drei Vier­tel aller baye­ri­schen Sport­ver­ei­ne eine min­des­tens aus­ge­gli­che­ne Ein­nah­men-Aus­ga­ben-Rech­nung. Die Ein­nah­men kom­men vor­nehm­lich aus Mit­glieds­bei­trä­gen, Spen­den und Zuschüs­sen aus der Sport­för­de­rung des Krei­ses, der Stadt und der Gemein­de. Die Haupt­aus­ga­ben resul­tie­ren aus der Bezah­lung von Trai­nern, der Unter­hal­tung eige­ner Sport­an­la­gen und der Anschaf­fung von Sport­klei­dung und Mate­ri­al. 70 Pro­zent aller deut­schen Sport­ver­ei­ne füh­ren über­dies Per­so­nal­kos­ten an. Man muss also sagen, es ist weit­ge­hend üblich, dass Ehren­amt­li­che Auf­wands­ent­schä­di­gung erhal­ten“, so Roos. Das sei auch alles legal: Zah­lun­gen im Ver­eins­kon­text sei­en erlaubt, auch wenn das Bür­ger­li­che Gesetz­buch vor­se­he, dass Ver­eins­äm­ter grund­sätz­lich unent­gelt­lich zu machen sind. Roos appel­lier­te an die Ver­ei­ne, dass sie in Geld­fra­gen gut auf­pas­sen und sich zur Not auch Hil­fe suchen – etwa von einem Steu­er­be­ra­ter. Es gebe vie­le Arten, wie man Geld in einem rechts­kon­for­men Rah­men aus­zah­len kön­ne; etwa über die Übungs­lei­ter­pau­scha­le, Fahrt- und Rei­se­kos­ten­er­stat­tung, Mini­jobs, Tank­gut­schei­ne, Ehren­amts­pau­scha­le oder ein sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Arbeits­ver­hält­nis. Aber Ver­eins­an­ge­stell­te wird es aus Kos­ten­grün­den in den aller­meis­ten Fäl­len nicht geben kön­nen“, beton­te Roos. Gut sei, dass man Mini­job und Übungs­lei­ter­pau­scha­le kom­bi­nie­ren kön­ne. Roos‘ abschlie­ßen­de Bit­te an die Ver­ei­ne war, die Grund­sät­ze ord­nungs­ge­mä­ßer Buch­hal­tung ein­zu­hal­ten und die Haf­tung der Vor­stands­mit­glie­der stets im Blick zu haben. 

Über das wei­te Feld der Jugend­ar­beit ging es im zwei­ten Teil der On Tour“. Sie sei die drit­te Säu­le der Jugend­bil­dung, neben der Bil­dung im Eltern­haus und der Aus­bil­dung in Schu­le, Kin­der­gar­ten und beruf­li­cher Aus­bil­dung. In der DJK machen wir Jugend­ar­beit im Kon­text Sport und Kir­che, was ein Allein­stel­lungs­merk­mal ist“, fand Roos, der die neu­es­te Shell-Jugend­stu­die zitier­te: Im Ver­gleich mit 2002 sei es den Jugend­li­chen heu­te nicht mehr ganz so wich­tig, sich mit Leu­ten zu tref­fen. Das sei etwas, was die Ver­ei­ne sehen und ver­ste­hen müss­ten, im Umgang mit Jugend­li­chen heu­te, deren Medi­en­kon­sum sehr hoch sei. Das ist natür­lich ein Pro­blem. Die Kids soll­ten sich lie­ber im Frei­en bewe­gen, statt so lan­ge vor der Matt­schei­be zu hocken“. In einem Arbeits­teil mach­ten sich die anwe­sen­den Ver­eins­ver­tre­ter über zwei Fra­gen Gedan­ken: Was erschwert unse­re Jugend­ar­beit heu­te? Was sind Fak­to­ren für gute Jugend­ar­beit in mei­nem Ver­ein? Die Ergeb­nis­se waren frei­lich viel­fäl­tig; immer wie­der genannt wur­den bei den Belas­tun­gen: Kin­der sei­en heu­te mehr ich- statt grup­pen­be­zo­gen. Das mache Grup­pen­ar­beit schwie­ri­ger; Arbeit, Schu­le und Aus­bil­dung nöti­ge den Kin­dern sehr viel ab, der Druck auf sie sei grö­ßer gewor­den; in der Wohl­stands­ge­sell­schaft müs­se man auch als klei­ner Sport­ver­ein immer mehr bie­ten, das sei auf Dau­er sehr anstren­gend; die alt­her­ge­brach­ten Rhyth­men eines Ver­eins mit klas­si­schem Sport­be­trieb pass­ten immer weni­ger ins Frei­zeit­kon­zept“ vie­ler Eltern, die zudem oft in den Urlaub fah­ren; zu guter Letzt: die The­men wer­den immer mehr — die Stich­wor­te waren Inklu­si­on, Inte­gra­ti­on, Prä­ven­ti­on. Ehren­amt­lich orga­ni­sier­te Ver­ei­ne sei­en zuneh­mend damit über­for­dert, was von ihnen gefor­dert wür­de. Vie­le gute Ideen wur­den zusam­men­ge­tra­gen, was gute Jugend­ar­beit aus­macht. In ers­ter Linie ein ech­tes Inter­es­se an der Jugend, dass sich Kin­der und Jugend­li­che unter der Obhut des Ver­eins per­sön­lich und sport­lich wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen. Es scha­de auch nicht, als Ver­ein zu wis­sen, wer man sei und wohin man wol­le – auch wenn Sport­ver­ei­ne meis­tens Mischun­gen aus brei­ten­sport­li­chen und leis­tungs­ori­en­tier­ten Ver­ei­nen sei­en und die Kon­kur­renz von alter­na­ti­ven Ange­bo­te groß sei. 

im Schluss­teil wur­de die Fra­ge der Kirch­lich­keit der Ver­ei­ne beleuch­tet. Ein Ver­tre­ter der DJK Schön­brunn war stolz dar­auf, dass sich bei kirch­li­chen Fest­ta­gen und Hoch­fes­ten vie­le Ver­eins­mit­glie­der in der Kir­che ver­sam­meln, mit­samt Ver­eins­ban­ner“ — natür­lich auch bei Beer­di­gun­gen. Bei ande­ren Ver­tre­tern wur­de deut­lich, dass die Katho­li­zi­tät der Ver­ei­ne ins­ge­samt nach­las­se, und dass es mal wie­der Impul­se brau­che, das The­ma anzu­kur­beln. So war sich die Run­de am Ende einig, dass die nächs­te On Tour“ im Zei­chen der Fra­ge ste­hen soll: Ist noch Platz für Gott im Sport­ver­ein?“. Roos: Der Herr­gott ist unser wich­tigs­ter Mit­spie­ler. Es ist toll, dass wir uns nächs­tes Jahr mit die­ser Fra­ge beschäf­ti­gen wer­den.“ Aus­klang fan­den die Ver­an­stal­tun­gen bei einer gemüt­li­chen Brot­zeit in locke­rer Gesprächsatmosphäre.

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