"Nur wer eine fundierte Meinung hat, darf kritisieren"

P. R. am 31.10.2023

Varga Zeremonienmeister

Franz Varga war fast 30 Jahre lang das Gesicht der DJK Jägerwirth im Landkreis Passau, 18 Jahre als 1. Vorstand und 10 Jahre als 2. Vorstand. 40 Jahre lang war der humorvolle Banker a.D. Cheforganisator und „Zeremonienmeister“ des traditionellen „Dorffests“, der Hauptattraktion- und Einnahmequelle des Jägerwirther Sportvereins. Seinen Nachfolgern übergab Varga einen bestens geführten und kerngesunden Verein, mit knapp 500 Mitgliedern. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt - für Varga „eine Bestätigung seiner Arbeit in den letzten vier Jahrzehnten“. Vom Bayerischen Landessportverband BLSV erhielt er kürzlich in Bodenmais den Ehrenamtspreis. Im Interview schaut Varga zurück auf durchaus bewegte Zeiten als Vereinsvorsitzender und seine neue Aufgabe als Generalbevollmächtigter Sportplatzbau.

Herr Var­ga, zu wel­chem Zeit­punkt sind Sie beim tra­di­tio­nel­len Dorf­fest beson­ders zufrieden?

Zufrie­den erle­ben Sie mich beim Dorf­fest-Don­ners­tag (Vater­tag, Anm.), wenn alles gut her­um­ge­gan­gen ist, wenn nichts pas­siert ist, wenn das Zelt voll ist zur Eröff­nung. Noch zufrie­de­ner bin ich aber, wenn alles wie­der abge­baut ist. Und glück­lich bin ich, wenn wir einen ers­ten Über­blick über die Ein­nah­men bekom­men, wenn die Zah­len hof­fent­lich schwarz wer­den. Denn von den Ein­nah­men lebt der gan­ze Verein. 

Was braucht es, um ein sol­ches Mam­mut­fest stem­men zu können?

Vor allem viel Ehren­amt. Wir haben bei der Rock-Dis­co“ in der Spit­ze 150 Per­so­nen im Ein­satz. Wir brau­chen Leu­te am Aus­schank, bei den Ver­pfle­gungs­stän­den und natür­lich braucht es auch die­je­ni­gen, die nach den Fei­er­lich­kei­ten wie­der auf­räu­men. Das ist ganz beson­ders wich­tig, weil das Zelt für den Kir­chen­um­zug und den Fest­zelt­be­trieb wie­der blit­ze­blank sein muss. Grund­sätz­lich haben wir pro Tag immer 40 Per­so­nen im Ein­satz. 90 % davon sind Mit­glied im Sportverein.

Das zeigt den Stel­len­wert der DJK für den Ort Jägerwirth. 

Defi­ni­tiv. Wir sind der größ­te Ver­ein inner­halb der Pfar­rei und weil Fuß­ball unse­re größ­te Abtei­lung, ist bei uns das gan­ze Jahr etwas los, wobei sich auch Ten­nis in den letz­ten Jah­ren wie­der gut ent­wi­ckelt hat. 

Wie sind Sie sei­ner­zeit zur DJK Jäger­wirth gekommen?

Durch Zufall. Mein Cou­sin war dort im Jahr 1976 akti­ver Spie­ler und hat mich gefragt, ob ich mal ins Trai­ning mit­ge­hen möch­te. Ich hat­te erst mit 18 Jah­ren ange­fan­gen, aktiv Fuß­ball zu spie­len. Ich war zuvor ein Tisch­ten­nis­spie­ler in Passau/​Heining. Dort habe ich auch gewohnt. Als ich dann nach Sand­bach gehei­ra­tet wor­den bin“ (lacht) waren es nach Jäger­wirth nur noch ein paar Meter. 

Sie haben mit 25 Jah­ren recht früh die Funk­tio­närs­lauf­bahn eingeschlagen. 

Stimmt, als Abtei­lungs­lei­ter respek­ti­ve Orga­ni­sa­ti­ons­lei­ter. Als Spar­kass­ler war es mir auch vor­be­hal­ten, die Mann­schafts­kas­se der ers­ten und zwei­ten Mann­schaft zu verwalten. 

In die­sem Jahr haben Sie als 1. Vor­sit­zen­der der DJK Jäger­wirth auf­ge­hört, blei­ben dem Ver­ein aber in ande­rer Funk­ti­on erhal­ten. Kön­nen Sie ein­fach nicht lassen?

Sozu­sa­gen. Es hat sich halt zum Ende mei­ner Amts­zeit hin eine ein­ma­li­ge Chan­ce erge­ben, auf die wir zehn Jah­re lang hin­ge­ar­bei­tet haben, dass wir aus den beeng­ten Ver­hält­nis­sen her­aus­kom­men. Letz­tes Jahr hat sich zum Glück auf­ge­tan, dass ein Land­wirt bereit war, der Gemein­de 3,5 Hekt­ar Grund gegen ein Tausch­grund­stück zur Ver­fü­gung zu stel­len. In Pla­nung sind jetzt zwei gro­ße Fuß­ball­spiel­fel­der, idea­ler Wei­se eines mit Kunst­ra­sen. Und ein Ver­eins­heim mit Umklei­den, Duschen und Auf­ent­halts­raum. Es geht um die Aus­la­ge­rung des gesam­ten Sport­ge­län­des. Als Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter ist es mein ehr­gei­zi­ges Ziel, zur 60 Jahr-Fei­er in drei Jah­ren fer­tig zu sein. Das wird noch ein­mal eine rie­si­ge Her­aus­for­de­rung. Ich kann mich noch gut an die Ein­wei­hung der Rasen­sport­an­la­ge im Jahr 1981 erin­nern. Für das Eröff­nungs­spiel kam damals die SpVgg Bay­reuth, damals noch 2. Bundesliga. 

Auf Ihre Zeit als Ver­eins­vor­sit­zen­der zurück­ge­schaut, was lag Ihnen beson­ders am Herzen? 

Dass ich mir Zeit neh­me für die Mit­glie­der und mich für alle The­men inter­es­sie­re. Steu­ern, Recht, Ver­si­che­run­gen, Prä­ven­ti­on: Ver­eins­ar­beit wird ja immer kom­ple­xer. Da habe ich immer ver­sucht, up to date zu blei­ben. Zum ande­ren war mir die Zusam­men­ar­beit mit den Ver­bän­den emi­nent wich­tig, mit BLSV, BFV und DJK. Im Ver­gleich zu frü­her, ich den­ke an die Zeit vor 2005, haben sich die Schu­lungs- und Semi­nar­an­ge­bo­te der Ver­bän­de sehr stark ver­bes­sert und unter­stüt­zen die jewei­li­gen Funk­ti­ons­trä­ger bei der Bewäl­ti­gung der täg­li­chen Ver­eins­ar­beit. Das habe ich auch ver­sucht, mei­nem Nach­fol­ger wei­ter zu trans­por­tie­ren. Nur wenn man an den Ver­bän­de­ta­gun­gen teil­nimmt, wenn man sich gele­gent­lich auch als Dele­gier­ter ein­bringt, kann man sich eine fun­dier­te Mei­nung zu einem The­ma bil­den und erst dann darf man auch schimp­fen und kri­ti­sie­ren. Es gibt lei­der zu vie­le Ver­eins­ver­tre­ter, die kri­ti­sie­ren, ohne sich eine Mei­nung gebil­det zu haben.

Gab es Enttäuschungen?

Lei­der wird man oft allei­ne gelas­sen, wenn man eigent­lich Hil­fe braucht. Zwar sin­gen unse­re Poli­ti­ker bei Sonn­tags­re­den oft das Hohe­lied auf das Ehren­amt, aber wenn du mal wirk­lich jeman­den brauchst, stehst du allei­ne im Regen. Das hat­te ich schon oft. Es wird zu viel gere­det und zu wenig getan. 

Was hät­te Ihnen kon­kret geholfen?

Ganz ein­fach: Rücken­de­ckung, wenn mal etwas schief geht oder mal ein Ter­min über­se­hen wird. Auf ein­mal flat­tert eine Zah­lungs­for­de­rung ins Haus wegen irgend­ei­ner ver­pass­ten Frist. Da hast du kei­ne Chan­ce. Weil es dann heißt: sel­ber schuld! Aber das kann doch nicht das letz­te Wort sein, oder? Wir haben ein­mal die Sperr­zeit beim Dorf­fest über­schrit­ten. Die Quint­essenz war, dass wir drei Stel­lung­nah­men schrei­ben muss­ten und der Ver­ein am Ende gestraft wor­den ist. Der ers­te Vor­stand hat per­sön­lich 175 € zah­len müs­sen, also ich. Der Ver­ein 325€. Da hilft dir kein Politiker. 

Wie sieht die Unter­stüt­zung bei eurem jet­zi­gen Neu­bau-Pro­jekt aus? 

Im End­ef­fekt muss du alles allei­ne machen. Die aller­meis­ten ver­ste­cken hin­ter irgend­wel­chen Para­gra­phen. Mein Mot­to war immer, geht nicht gibt’s nicht. Und genau an die­ser lösungs­ori­en­tier­ten Her­an­ge­hens­wei­se fehlt es bei Ver­tre­tern der Kom­mu­ne, des Land­rats­amts oder der Regie­rung. Wenn links nichts geht, dann viel­leicht rechts oder halb rechts. 

Wie gehen Ihre Nach­fol­ger die Auf­ga­be an? Ste­hen Sie als Tipp­ge­ber noch Gewehr bei Fuß?

Wir tref­fen uns unre­gel­mä­ßig, die drei Vor­stän­de und ich und bespre­chen alle anste­hen­den Din­ge. Ich habe appel­liert an sie, dass sie wei­ter­ma­chen sol­len, auch wenn es viel­leicht mal kom­pri­miert und knüp­pel­dick kommt. Jeder Vor­sit­zen­de fährt irgend­wann mal Ach­ter­bahn, da muss man ein­fach durch. 

Was ist das Beson­de­re an der DJK Jägerwirth? 

Wir sind zum Glück ein fami­liä­rer Dorf­ver­ein, wo die Eltern nicht her­kom­men und sagen, hier ist mein Kind und jetzt macht etwas damit! Bei uns wer­den die Eltern mit ein­ge­bun­den, als Fah­rer, Kuchen­ver­käu­fer usw. Mei­ne Erfah­rung ist, dass sich die Men­schen ganz von allei­ne ein­brin­gen, wenn sie sich im Ver­ein wohl fühlen. 

Was bedeu­ten Ihnen die drei Buch­sta­ben DJK?

Den sport­li­chen Erfolg errei­chen zu wol­len, aber nicht um jeden Preis. Wir wer­den einen Teu­fel tun, Geld in die Hand zu neh­men, um die ers­te Mann­schaft in die Kreis- oder Bezirks­li­ga zu füh­ren. Das ist nicht die DNA. Wir spie­len nicht Hara­ki­ri. Da fällt man über kurz oder lang auf die Schnau­ze. Und wenn ich noch­mal auf´s Dorf­fest schaue, ist es ganz klar, dass wir das mit einem Got­tes­dienst begin­nen. Wir sind in Bay­ern und wir sind katho­lisch. Das gehört ein­fach dazu. Und das macht auch die DJK im End­ef­fekt aus. Das christ­li­che und das sport­li­che. Bei­des gehört im Ver­ein zusammen.

Wir dan­ken Ihnen für das Gespräch. 

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